Dienstag, 2. Juni 2026

Einsame Hoffnungslosigkeit, oder Willkommen am Eingang zur Hölle

 






Es gab mal Zeiten, vor vielen, vielen  Jahren, als ich noch an das Gute geglaubt habe, aber ich

bin kein Hiob, der alles verloren hat und dennoch daran glaubte, daß Gott ihn liebt.

Ich war immer stark, habe immer meine Hoffnung gehabt, meinen Glauben und die kleinen

Freuden des Alltags, wie einkaufen gehen, shoppen, essen gehen, Kino, zu Robert nach

Hannover zu fahren etc. Dann wurde mir alles genommen, Stück für Stück. Zuerst wurde

mir Arena genommen, dann mein Vater, dann meine Mutter, davor aber schon mein toller

Arbeitsplatz wegen Sparmaßnahmen im öffentlichen Dienst, dann verlor ich meine

Wohnung und zog zu meiner Mutter, die zu dem Zeitpunkt noch lebte und  es ihr ganz

gut ging, dnnn verlor ich mein Auto weil ich kein Geld mehr für die Versicherung usw hatte.

Dann verlor ich meine Gesundheit und hatte viele Krankheiten und ständige Schmerzen. 

Zu allem Überfluß bekam ich Polyneuropathie, bekam taube Hände und Füsse und

wurde dann noch mit massiven Gleichgewichtsstörungen beglückt, die es mir unmöglich

machten nach draussen zu gehen, denn ich wohne im 4. Stock ohne Fahrstuhl. Dann verlor

ich durch eine Infektion 90% meines Geruchs- und  Geschmacksinnes.und dann habe ich die 

 Einsicht und Hilfsbereitschaft meiner Kinder und meiner Enkeltochter verloren.

Danny hat mit seinem Hund zu tun, Vanessa mit ihrem Freund und Lea

ist die einzige die mir mal hilft, aber die ist noch so jung und hat andere Interessen, als

ihre alte Oma zu pflegen. Fortan war und bin ich eine Gefangene in meiner eigenen Wohnung.

Da verlor ich auch meinen Humor und war nicht mehr in der Lage solche schönen und

teils humorvollen Gedichte und Geschichten zu schreiben, denn meine Gedanken und

Gefühle waren viel zu traurig und zu dunkel um Lustiges zu Papier zu bringen. Nun verlor

ich auch noch meine Ruhe und Geduld mit meiner Freundin, die so oft ungerecht zu mir

ist und mir immer vorschreiben will, daß nur sie die richtigen Entscheidungen trifft, aber

heute war sie mir eindeutig zu heftig und hat mich als Nervensäge hingestellt die für nichts

mehr nützlich ist, ich habe nichts dazu gesagt, aber ich werde meine Konsequenzen daraus

ziehen, dann lieber keine Freundin, als so eine Furie, die immer nur was zu sülzen hat.

Dann verlor ich das Vertrauen in die Menschen und so lange mir das noch irgendwie

möglich ist möchte ich keine fremden Leute, die mich pflegen, in meiner Wohnung,

in meinem Leben. Dann verlor ich die Freude an allem, dann den Glauben an Gott

und seine angeblich so große Liebe für uns, nun bekomme ich auch noch die Nachricht,

daß meine Freundin im Urlaub auf Kreta  schwer krank geworden ist, ins Krankenhaus

in Heraklion gebracht wurde, auf der Intensivstation liegt und mit dem Tode ringt, leider

weiß bisher keiner was sie hat. Als letztes bekam ich den Todesstoß, der mir den Willen

zum weiterleben nahm, obwohl ich trotzdem weiterlebe, einfach mal so stirbt man ja

nicht, aber nur noch eine leere Hülle die funktionieren muß. Robert hat mir alle 

Privilegien nach und nach genommen die ich mal als seine Freundin hatte. Ich kann

mit vielem leben, ich kann vieles ertragen, aber die Liebe des Mannes immer mehr

zu verlieren, das hat mich endgültig gebrochen und mich in den Abgrund gestürzt.

Seit fast 19 Jahren ist er die Liebe meines Lebens, nun habe ich nichts mehr was sich

zu leben lohnt. Ich habe meine Würde, meinen Stolz und mein Selbstbußtsein verloren

mir ist nichts geblieben ausser meine Feigheit, sonst hätte ich längst mein Leben beendet.

Nun sitze ich alleine hier in meiner Wohnung, in meinem Zimmer, am Eingang zur Hölle 

und warte auf den Tod, aber selbst der will mich noch nicht haben......





Freitag, 22. Mai 2026

Meine Arena vom Alten Recken

 






mein geliebtes Arünzelchen,

ich widme dir diesen Artikel auf meinem Blog weil du es verdient hast.

Du warst der wundervollste Hund den man sich vorstellen kann und ich

war manchmal so doof zu dir aus Unkenntnis und das tut mir auch 14 Jahre

nach deinem Tod noch weh. Robert hat dich auch so sehr geliebt und ist

bei der Nachricht deines Todes zusammengebrochen, er konnte leider nicht

bei uns sein, weil wir in Berlin leben und er damals in Frankfurt/Main.

Vanessa und ich nannten dich immer Arünzel-Strünzel, warum weiß ich auch

nicht, aber das war dein Kosename. Du hast mich so treu ergeben geliebt

und ich hatte so viel Angst um dich, jedes Geräusch von dir das anders klang

als sonst, ließ mich aufhorchen und die Sorge um dich breitete sich aus.

Wir hatten so schöne Zeiten miteinander und du hattest es verdient, daß ich

dich nicht leiden lasse und dich erlöse, wenn es soweit ist und das tat ich.

Vanessa, ich und du sind mit einem Hundetransporter zum Tierarzt gefahren,

sind den letzten Gang gegangen, du wolltest erlöst werden, denn du hattest

einen Hirntumor und starke Schmerzen, du hast nur die Hälfte von dem 

Schlafmittel gebraucht und bist friedlich in meinen und Vanessas Armen

für immer eingeschlafen. Du wirst immer in meinem Herzen bleiben bis 

zum Ende der Zeit....Ich liebe dich  R.I.P.


P.S.: Auch in Roberts Herz hast du einen Ehrenplatz, während ich diesen

      Platz schon lange verloren habe, aber du hast ihn wirklich mehr als

     verdient.

Dienstag, 24. Februar 2026

Meine (Alp)Träume von dir










Ich träume jede Nacht von dir, denn meine Liebe ist so groß,

Leider träume ich immer, daß ich dich verlier`, was für ein schweres Los.

Ich denke viel zu oft an alte Zeiten, wo  wir noch volle Energie besassen,

wir haben gelacht, geweint und Spaß gehabt, wir hätten tanzen können auf den

Strassen.

Es vergingen die Tage, Wochen und Jahre und dein Interesse an mir war noch da,

du warst so zuverlässig, so lustig, du fandest immer liebe Worte Jahr um Jahr,

du hattest einen perfekten Körper und sahst unglaublich gut aus und warst so süß,

mein Herz klopfte wie wild nur beim Gedanken an dich, mit dir war ich im Paradies.

Meine Träume waren voller Lust und Liebe, voller Emotionen, einfach wundervoll,

wir stritten uns nie, weil wir auch nicht zusammenlebten, alles war wie es sein soll.

Und plötzlich änderte sich alles, in einem Augenblick, du hast mich ins kalte Wasser  

geschmissen,

Bis heute hast du mir nicht erklärt was geschehen war, es hat minerlich zerrissen.

vorbei waren die Zeiten in denen wir gelacht haben und Spass hatten, wir waren doch 

einst Seelenverwandte,

doch nun wurde alles so anders, viel unpersönlicher, ich fühlt mich als wäre ich eine alte

Jungfer wie deine Tante.

Du hast mir kaum noch was erzählt, hattest keine Zeit mehr, keine lieben Worte für mich,

es gab keine Besuche mehr, keinen Trost, ich verstand nicht warum, doch ich liebte dich.

Alles körperliche hast du mir versagt. Ich hatte deine Schulter nicht mehr zum Anlehnen,

ich liebte dich trotzdem, auch wenn alles so schwer war, ich mußte es so hinnehmen.

Ich weinte ganze Ozeane, bittere Tränen die du nicht sehen wolltest,

ich mußte aufpassen was ich sagte, wie ich was sagte, weil du sonst grolltest.

Du gibst dir kaum noch Mühe, ich werde wohl nie mehr erfahren was dich bewegt,

du gehst davon aus, alles ist ok, weil mein Herz immer noch für dich schlägt.

Für dich ist ja auch alles so wie du es magst, du hast alle Zeit der Welt für deine Belange,

doch ich versuche wenigstens noch dich glücklich zu machen, ich bin keine Schlange.

Das Einzige was so blieb wie es war, das war dein Aussehen, du bist so schön und

knackig geblieben,

dein Gesicht so perfekt, genau wie dein Körper, als hätte ein Bildhauer dich modelliert und

ein Dichter beschrieben.

Andere Frauen wären längst weg, sie könnten dich nicht verstehen, aber weil ich versuche dich 

zu begreifen und dich liebe, bin ich noch da.

Doch um dich und deine Art  ein wenig zu verstehen brauchte ich wirklich ganze 18 Jahr`.

Jedoch sind deine Gedankengänge oft entweder zu komplex, oder zu einfach gedacht,

sodaß ich deine Handlungen bzw deine Aussagen nicht begreife und davon träume in der Nacht.

Und auch meine größten Ängste, dich zu verlieren, verarbeite ich in meinen Träumen.

Dort kann ich um dich weinen und niemand bemerkt es und nicht mal diese Nachtgeschichten

imöchte ich versäumen.

Jede Nacht versuche ich mich zu dir zu träumen um dir ganz nahe zu sein,

leider klappt das noch nicht, denn du bist am liebsten allein.

Das nahe Beisammensein und der daraus entstehende Körperkontakt sind für dich eine Qual,

ich respektiere es, verstehen kann ich es nicht so richtig, aber für dich ist das nunmal normal.

Ich nehme all diese Hindernisse in Kauf, du  bedeutest mir die Welt,

für dich täte ich alles, sogar bei schlechtem Wetter zu campieren in einem Zelt.

Doch wie gesagt, du bist ja am liebsten alleine, ich hoffe es ändert sich nach dem Ableben,

daß dein Autismus kein Bestandteil mehr von dir ist und wir beide nach ewiger Glückseligkeit

zusammen streben



















Mittwoch, 19. Februar 2025

Das Pflegegedicht





Ich lebe wie ich es gerade noch kann,

aber ich weiß, daß ich euch brauche irgendwann.

Was ich jetzt noch kann,

das kann ich nicht mehr lang.

Bald brauch ich dich und dich und dich,

dann hab ich keine Kräfte mehr für mich.

Ich frag euch dann,

pflegt ihr mich, wenn ich nichts mehr alleine kann?   

Ich kann kaum noch laufen, möchte so gerne wieder mal raus,

aber ich habe weder Garten noch Haus.

Mein Leben beginnt zu verwehen,

seid ihr dann diejenigen  die da sind und zu mir stehen?

Könnt ihr für mich über euren Schatten springen

und bei mir sein, wenn nichts mehr geht?

Bist du? oder du? oder du derjenige der mich pflegt?

Bisher hat noch keiner die Notwendigkeit erkannt mir zur Hand zu gehen,

wenn wenigstens Robert mal käme, aber nein, es hilft auch kein flehen.

Ich werde mich wohl damit abfinden müssen, daß keiner helfen wird,

daß fremde Leute mich pflegen, ich hoffe ich werde nicht auch noch verwirrt.

Ach Robert, werde ich dich noch einmal wiedersehen bevor ich diese Welt verlasse

du warst seit Jahren nicht mehr bei mir, ich weiß auch warum, du trübe Tasse.  

Ich hoffe, daß meine Kinder mehr Courage haben und mir eine Hilfe sind,

am meisten wird sich wohl Lea kümmern, mein geliebtes Enkelkind.

Eines jedoch ist unwiderruflich bei allen  Menschen gleich,

jeder muß den letzten Weg ins Licht alleine gehen, egal ob arm, oder reich
                                                                                                                          
                                                                                                                                                                                        






































                                                                                                                                                                                                                                                               









Montag, 6. Januar 2025

Die Klapperstorch AG




wer fliegt da so früh schon im morgengrauen?

es ist der storch, er will eine firma aufbauen,

mit einem großen nest auf einem großen schornstein,

dort werden storcheneier ausgebrütet, noch sehr klein,

wachsen sie in den beruf des klapperstorches hinein.

sie fliegen vom morgenrot bis zur abenddämmerung, es ist keine fabel,              

die störche fliegen mit säckchen im langen schnabel.

einer der babystörche war verblüfft, als er das sah

und fragte nach was da drinnen wäre und hörte ganz klar,

daß so die babys zu den menschen kämen, ganz ohne verzagen.

der kleine storch traute sich kaum weiterzufragen,

wo die störche die babys herholen, gibt es eine babyfabrik?

ja antwortete der große storch, die ist recht einfach, aber  schick,

sie werden geboren in einem stück, 

so wünscht man sich korrekt und verbindlich ein kind 

dafür braucht man nur zucker und salz und bitte aufpassen, sonst

weht alles weg bei starkem wind.

will man einen jungen, dann streut man salz aufs fensterbrett,

für ein mädchen nimmt man zucker, bitte erst das ritual vollziehen,

wenn es dunkel ist, danach geht ihr ins bett.

die nachfrage nach babies ist sehr stark, bringt deshalb viel geduld mit

und nach etwa 9 monaten wartezeit kommt der storch, überreicht euch

das baby, ab nun seid ihr zu dritt.

will man mehr als ein kind, dann streut aufs fensterbrett einzelne haufen

und bitte das fenster schliessen sonst vermischt sich alles und dann kannst

du dich besaufen

zum glück passiert das nicht sehr oft, also macht euch keine sorgen,

denn die klapperstorch AG ist sehr zuverlässig, gleich fliegen sie wieder

los, denn es dämmert schon der morgen

es geschah selten, daß ein kind verlorenging,

sie hatten ein bändchen, das an ihren armen hing.

mit der adresse vom elternpaar,

welches schon in froher erwartung war.

der kleine storch wollte wissen warum sie klapperstorch  heißen?

weil sie mit ihren schnäbeln klappern und nicht beißen,

vor lauter freude, daß sie die kinder gesund abgeliefert haben

und die eltern sich so freuten und dem klapperstorch zu essen gaben.

ja, so ist es liebe kinder, der storch kam einst mit euch im schnabel

zu mama und papa, vor aufregung stolperte der papa über ein kabel.

so geht es tag für tag und jahr um jahr,

die babys werden von den klapperstörchen gebracht, ist das wahr?

natürlich ist das wahr, woher sollten sonst die babys kommen?

nun ist es abend und ganz dunkel, schlafenszeit, ich seh schon

alles verschwommen.

am nächsten morgen wird weiter gebrütet und geflogen,

doch bei bösen leuten machen die störche einen großen bogen,

denn kein baby auf der welt sollte jemals traurig sein,

wenn die eltern gemein sind und schlagen auf ihr kind ein.

doch darauf achtet die klapperstorch AG ganz rigoros,

laßt euch nur von ihnen die kinder bringen, immer noch nackt und bloß.

eines tages wollt ihr vielleicht auch ein baby, so rosa und klein,             

dann ruft an bei der klapperstorch AG, nun seid jhr bald nicht mehr  allein.









































































































































































































































































































































































                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                 





























Mittwoch, 17. Juli 2024

Der Perlweinkönig







Wer schwankt so spät durch Nacht und Wind

Es ist der betrunkene Vater mit seinem Kind;

Der Knabe hält ihn wohl am Arm,

Der Vater lallt und macht Alarm


Mein Sohn, was schaust du so ängstlich mit dem Gesicht?-

Siehst Vater, du den Perlweinkönig nicht?

Den Perlweinkönig, wo hast du den denn erspäht?

Mein Sohn, ich seh nur, daß sich alles um mich herum dreht;.


"Du braves Kind, komm mit zu mir!

Ein paar tolle Spiele spiel ich mit dir

Ich zeige dir die Welt,  bin immer nüchtern,

du kannst mir vertrauen, nun sei nicht so schüchtern.-


Mein Vater, mein Vater, und hörest du nicht,

wie der Perlweinkönig leise zu mir spricht?-

Bleib ruhig lallt der Vater leise zum Kind;

ein Sturm zieht auf, es säuselt nur der Wind.


Oh süßer Knabe, willst du mit mir gehn?

Du kannst meine Töchter in schönem Gewande sehn,

sie bilden einen Reigen um den heiligen Baum,

singen, tanzen und führen dich durch Zeit und Raum.-


Mein Vater, mein Vater und siehst du nicht dort

Perlweinkönigs Töchter am heiligen  Ort?-

Mein Sohn, mein Sohn, ich seh es nicht genau:

ich bin noch trunken, ich bin noch zu blau.-


Ich liebe dich, mich reizt deine schöne Kindesgestalt.

Und bist du nicht willig, so brauch`ich Gewalt.-

Mein Vater, mein Vater, er reicht mir seine Hand,

Perlweinkönig, zupft an meinem Gewand.


Dem Vater wird übel, er torkelt geschwind,

er hält an seinem Arm das unschuldige Kind,

sie fallen unversehrt  in ihre Wohnung hinein;

Der Vater verspricht dem Sohn, ich trinke nie wieder Perlwein.

(Der Erlkönig - Johann Wolfgang von Goethe)

















Montag, 1. Juli 2024

Eine Beziehung mit einem Autisten, eine Lebensaufgabe voller Entbehrungen, Tränen und Verzweiflung










Meine subjektive Sicht auf die Dinge, denn da ich ein Teil von dieser Geschichte
bin, kann ich nicht vollständig objektiv berichten, aber ich versuche es trotzdem so 
emotionslos wie möglich zu schreiben um ein klareres Bild abgeben zu können
was nicht nur auf meinem Gefühlsleben aufbaut.


Ich möchte als erstes meine Gefühlswelt ein wenig beschreiben, soweit man das

für sich selber kann. ich bin eine *normale Frau, vielleicht nicht immer der Norm

entsprechend, aber jedenfalls mit normalen Empfindungen, Interessen,, nicht weiter

auffällig, freundlich, manchmal sehr emotional, ich mag Zärtlichkeiten, ich

mag küssen, ich mag Sex sehr gerne, ich höre gerne zu, freue mich, wenn mir mal

jemand zuhört, ich versuche Verständnis zu haben, ich empfinde Mitleid und kann

auch trösten, eben all die Dinge wo sich die Leute jetzt fragen warum ich etwas so

Banales und Normales erwähne, ja, das hat seinen Sinn, damit man versteht was

für ein unglaublicher Kraftakt das für einen *normal fühlenden, *normal

funktionierendem Menschen ist einen Autisten zu lieben, denn man ist auf sich

alleine gestellt, denn ein Autist kann mein Gefühlsleben und meine Gedankengänge

nicht verstehen und die *normalen Menschen verstehen nicht wieso ich jemanden

lieben kann, der mich so offensichtlich wohl nicht lieben könne, aber Liebe schaut

nicht auf die negativen, oder positiven Besonderheiten eines Menschen, es passiert

einfach und man weiß nicht wirklich warum. 

*Zur Erklärung: das Wort normal soll nur den Unterschied zwischen Autismus und

Nichtautismus verdeutlichen, es ist keine Wertung, oder Herabstufung eines Menschen

mit Autismus.

Ich kann nicht vom Autismus selbst berichten, ich kenne sonst niemanden

der diese Störung hat. ich kann nur von meinem Freund berichten, wie sich

eine Beziehung mit ihm gestaltet, er und ich nennen es Beziehung weil es das

für uns ist, aber für andere Menschen ist es völlig unverständlich wie man das

Beziehung nennen kann und niemand würde mit mir tauschen wollen. Für mich

war es Liebe auf den ersten Blick, wir hatten uns schon ein paar Monate geschrieben

und telefoniert, wir lernten uns online kennen, die Umstände die dazu führten

 tun hier aber nichts zur Sache, für mich war es erst nur ein Spiel, aber für ihn war

es ernst, er hatte auch keine andere Möglichkeit jemanden kennenzulernen, 

was recht typisch ist, denn ein Autist wie Robert könnte nie eine Frau ansprechen.

Wir verstanden uns, hatten die gleichen Vorstellungen wie alle anderen Paare auch.

Alles schien ganz easy, ganz cool und so beschlossen wir, daß ich Robert Anfang

August 2008 in Frankfurt/Main besuche, er lebte und arbeitete dort, er war 25 jahre

alt und ich schon 50 Jahre alt, aber es störte uns nicht, nur mein Umfeld dachte 

am Anfang, daß Robert eventuell pervers wäre, aber das wurde schnell widerlegt.

Er war sehr glücklich darüber jetzt mich zu haben, denn er fühlte sich recht einsam,

obwohl die Leute auf seiner Arbeit ein verrückter Haufen war, die viele Feten

feierten und Robert versuchte oft dabei zu sein, obwohl sowas garnicht sein 

Ding ist. Ansonsten gab es da nur seine Eltern zu denen er alle 14 Tage am 

Wochenende hinfuhr um Wäsche zu waschen.

Robert war froh mich zu haben und freute sich auf meinen Besuch.

er wohnte in einer 1 Zimmer Altbauwohnung, mit einem winzigen Bad und

einer noch kleineren Küche. ich konnte ihn kaum angucken, er sah so toll

aus, ich war sofort verliebt in ihn, aber trotzdem war dieses Wochenende eine

kleine Katastrophe, Robert plapperte wie ihm der Schnabel gewachsen war

und wirkte etwas ungehobelt. wir hatten einen kurzen smalltalk, der dann

überging in den Versuch sich näher zu kommen, denn viel zeit blieb ja nicht,

denn es war Freitag Abend und am Montag Morgen musste ich ja wieder 

zurück nach Berlin fliegen. der erste Versuch hätte zwar technisch weiter 

geführt werden können, aber die Konzentration fehlte ihm um auch Spass

dabei zu haben, so beendeten wir die "Sache" erstmal. Ein Kondom ist,

nebenbei bemerkt, für ihn Pflicht, ohne geht garnicht.

nun gut, da ich ja eh nicht schlafen konnte in dieser Nacht, dachte ich 

über all unsere schönen Gespräche nach, all unsere liebevollen smsen

und mails, den Telefonsex und all die viele Zeit die wir bei sky und am

Telefon miteinander verbrachten, ich durfte ihm mit seiner webcam zusehen

wie er mit dem Flugsimulator flog, er rief mich sogar Nachts an, nur weil er

mich vermißte, wir lachten so viel zusammen, alles war so normal und ich fing 

an zu weinen, denn ich war mir sicher, dass das nun alles vorbei sein würde, Robert

wachte auf und fragte mich warum ich weine und anstatt irgendetwas zu sagen,

weinte auch er, wir wußten beide, dass es nun vorbei sein würde, aber wir

hatten beide unrecht. Damals ahnte ich noch nicht im Mindesten, dass dieses

Wochenende ja noch harmlos war, aber eine tiefe Traurigkeit in mir auslöste und 

schon da wollte ich ihn eigentlich nie wiedersehen, nie wieder was von ihm hören,

ich war maßlos enttäuscht, ich dachte, das wird sowieso nichts, wir können

wohl nichts miteinander anfangen bzw er nicht mit mir, ich hatte da nicht

solche Probleme, doch es müssen beide das gleiche wollen. der Flieger mit mir 

landete in Berlin Tegel und ich dachte nun, dass es das gewesen wäre, aber knapp 

war ich ausgecheckt, da rief er mich schon an und fragte wie es mir geht und klang

so lieb wie all die Monate davor, bevor ich ihn besuchte. Wir näherten uns langsam

wieder an und ich war recht bald rettungslos verloren, ich liebte ihn wie verrückt und 

und wollte nie wieder von ihm lassen. so sollte es sein und ich bin seitdem

durch einige schöne Zeiten gegangen und durch viele schwere Zeiten. ich

habe bis jetzt gebraucht um annähernd erfassen zu können warum er sich

so verhält und nicht anders. Im Laufe der Jahre sind seine lieben Gesten,

Worte, Geschenke und Besuche immer weniger geworden, ich habe das

immer missinterpretiert, ich habe gedacht, dass er mich nicht mehr lieb

hat, denn ich konnte nicht verstehen warum er keine Sehnsucht entwickelt,

während ich vor Liebeskummer ganze Ozeane geweint habe, ich habe ihm

so viele Mails geschickt, alle mit dem selben Thema und alle blieben un-

beantwortet, was mich noch verzweifelter werden liess, während er sich

keinen Kopf um meine Worte machte, er konnte gefühlsmässig garnicht

begreifen was ich da wollte, für ihn war alles sehr einfach, jeder lebt sein

Leben weiter, wir telefonieren miteinander, wichtige Sachen erzählt man

sich und ansonsten weiß ja jeder, daß der andere da ist. Für ihn besteht

Beziehung nicht aus viel reden und viel Nähe und Zärtlichkeit und auch

nicht aus endlosen Diskussionen und Streits. sich mit einem Autisten zu

streiten ist fast unmöglich, denn er wird sich niemals unflätig und laut

mit einem streiten, er hasst alles Laute, kriegt schnell einen Tinnitus,

ist deshalb auch nie in Diskos, oder zu Konzerten gegangen.

Nachdem wir uns 5 Jahre kannten zog er nach Hannover wegen einer

neuen Arbeit. seitdem er nun in Hannover ist, geht unsere Beziehung 

immer weiter bergab. Sein Verhalten ist so schwer nachzuvollziehen,

er reagiert nur, wenn er in der Stimmung dazu ist, aber meistens

reagiert er auf nichts, je nachdem wie es für ihn richtig erscheint.

er ist kein guter zuhörer, seine Konzentration läßt rapide nach und 

nach ein paar Minuten driftet er ab und macht andere Sachen. Leider

 kommt er auch von alleine niemals darauf mir zu sagen, daß er mich

 lieb hat , aber  er kann ja nichts ändern, denn in seinen Augen gibt es 

keinen Grund für eine Veränderung. Wir sind uns treu und das ist das

Wichtigste. Leider sind wir uns so dermassen treu, daß auch der Sex

nicht mehr praktiziert wird, denn er mag den Körperkontakt nicht

 wirklich, für ihn fühlt es sich an, als würde man ihn sehr massiv

kitzeln, wenn wir Sex hatten war er ein toller Liebhaber Wer aber von

 ihm das Küssen verlangt, ein Vorspiel, oder Nachspiel, der hat Pech gehabt.

er würde nie eine Frau oral befriedigen, auch nicht intim berühren.

Es war schon schwierig genug in dazu zu bringen sich auf den Geschlechts-

akt einzulassen, ohne Nebengedanken und da klappte dann auch der 

Höhepunkt. er mag es halt nicht die Kontrolle über sich zu verlieren,

auch wenn es nur für einen kleinen Augenblick wäre

und das war dann letztendlich auch der Grund weshalb es keinen Sex mehr 

gab, auch keinen Telefonsex, den wir öfter praktiziert hatten. Da er mich so

gut wie garnicht mehr besucht, kommt auch das Thema Sex nicht mehr auf,

er findet, dass die "Sache" überbewertet wird, es gibt viel wichtigere Dinge

die man machen könne, leider macht er mit mir garnichts mehr, auch kaum reden.

Es hat wirklich bis Vorgestern gedauert, bis ich begriff, dass er mich garnicht

verstehen kann, weil das garnicht in seinen Genen verankert ist, er kann sowas

auch nicht erlernen, während ich schon die Fähigkeit besitze um begreifen zu

können, dass er sich umgekehrt nicht in mich hineinversetzen kann.

natürlich habe ich nicht plötzlich die Erleuchtung bekommen, es hat mich

unendlich viel Kraft, Leid, Tränen, schlaflose Nächte, Zweifel an ihm und 

Selbstzweifel gekostet. immer wieder musste ich mich rechtfertigen wie ich

das aushalten kann so einen Mann zu lieben. ich kann nur eines dazu sagen, 

es war Liebe auf den ersten Blick, er ist und bleibt für mich der schönste Mann

der Welt und trotz aller Schwierigkeiten, der Mann meines Lebens, ich habe

nie tiefer empfunden wie für ihn, auch nach fast 17 Jahren habe ich noch

bauchkribbeln, wenn ich an ihn denke. eins kann mir niemand nehmen,

ich war die erste Frau in seinem Leben und vielleicht auch die Einzige.

letztendlich werde ich ihn nie vollständig verstehen können,  es ist eine

Lebensaufgabe und hat mich all meine Kraft gekostet, ich wurde sehr krank,

habe Polyneuropathie in einem fortgeschrittenem Stadium, aber das kümmert

ihn nicht allzu sehr, er hat einfach nicht die Fähigkeit zumindestens so zu

tun, als würde er sich Sorgen machen, aber Autisten können einfach nicht 

lügen, ich liebe ihn wirklich aufrichtig, sonst wäre ich längst nicht mehr 

bei ihm, denn das kann man nur mit großer Liebe ertragen und selbst

dann frage ich mich ob es das alles wert war, ja, er ist es mir wert.

Natürlich ist man nicht jeden Tag gleich verständnisvoll, die Zweifel bleiben,

jedesmal, wenn ich draußen, oder im Fernsehen ein küssendes Pärchen

sehe, dann ziehen sich meine Eingeweide zusammen, mir wird dann

der Verzicht bewußt, ich mußte und muß auf die schönsten Dinge zwischen

Mann und Frau verzichten und bekomme nichts als Ersatz, sondern werde

alleine gelassen und das ist unglaublich demütigend, natürlich sagt mir 

mein Verstand, daß er mich nicht demütigen will, er will mir nie Böses,

und dennoch fehlt mir mein Herr Maus, einfach nur den Kopf an seine

Schulter anzulehnen, und ab und zu, wie früher, gibt es ein kleines

Küßchen auf die Lippen. das ist am Schlimmsten und man sollte es 

tunlichst vermeiden sich an Vergangenem hochzuziehen, denn das

Vergangene ist vorbei und kommt niemals wieder. es  wird schwer

werden, wahrscheinlich auch beim Sterben auf ihn verzichten zu müssen,

obwohl er mir versprochen hatte dann meine Hand zu halten, wenn ich

diese Welt verlasse, aber er hat mir schon sooo viel versprochen und 

nichts gehalten, wieso sollte ich ihm dann glauben, daß er kommt, 

wenn ich im sterben liege?!

Ich werde ja lange vor ihm sterben und das macht mich traurig, denn

ich weiß nicht wie er damit umgehen wird, aber sicherlich wird er zu

seinem Alltag zurückkehren und sein Leben weiter so leben wie er es immer

getan hat, ob mit, oder ohne mich.

Fazit: wenn man einen Autisten liebt mit dieser Form des Autismus, dann

sollte man sich in die Materie einlesen, sobald man merkt, dass etwas nicht 

stimmt, ich habe mich viel zu spät damit befasst, aber auch wenn man

sich viel informiert, es bleibt ein schwieriges Leben, denn einen Autisten

kriegt man nicht "umerzogen", er ist ja in seinen Augen normal und es 

besteht für ihn keine Notwendigkeit etwas zu ändern, es ergibt für ihn

keinen Sinn, nur der sozusagen "Normale" kann etwas tun, sich damit 

abfinden, dass es im schlimmsten Fall, so wie bei mir, ein Vollverzicht

für immer sein wird, klar Robert wird mich nie verlassen, aber er wird 

auch nie richtig bei mir sein und dessen sollte man sich bewußt sein,

auch ich werde ihn niemals verlassen und stehe ihm sicherlich näher,

als ich es mir vorstellen kann.. man sollte auch niemals erwarten mit

einem Autisten über Gefühle philosophieren zu können, für ihn ist seine

Gefühlswelt ganz klar und einfach und bedarf keiner Diskussion. Wir Frauen

hinterfragen ja alles und komplizieren einfache Dinge, können gute 

Ausreden erfinden und auch lügen, wenn es die Situation erfordert, aber

ein Autist denkt nicht um Ecken, er ist geradeheraus, ausserdem kann

er sich ja kaum auf einen Menschen konzentrieren, aber auf zwei

Menschen parallel ist ausgeschlossen, das gibt sein Gefühlsspektrum

nicht her. Ich bin oft zutiefst verzweifelt und es ist dann sinnlos ihm davon

etwas erzählen zu wollen, da er mein Problem nicht erkennen kann und

da wird mir bewußt, natürlich nicht nur dann, daß ich im Grunde genommen

alleine bin, ohne Partner, denn Hilfe, oder einen Ratschlag kann ich von ihm 

 nicht erwarten. Ich wollte mich schon so oft von ihm trennen, denn es ist

unglaublich anstrengend das alles auszuhalten und niemals für diese Treue

auch nur ein liebes Wort zu bekommen, nie ein Dankeschön, nie Freude

gezeigt zu bekommen, daß es mich gibt und ich immer für ihn da bin,

Tag und Nacht. Klar respektiere ich seinen Freiraum, sein Hobby, eigentlich

alles was ihn betrifft, aber dennoch kommt nie etwas wirklich Anerkennendes

von ihm, was früher nicht so war, nun bekomme ich zu bestimmten Anlässen

keine Karte mehr, keinen Blumenstrauß, kein Geschenk, keine kleine 

Aufmerksamkeit, keine lieben Mails, oder Smsen, nicht mal zum Geburtstag.

Mir tut das alles so gewaltig weh, aber es wird nie mehr anders werden. Warum

liebe ich diesen Kerl bloß immer noch mit jeder Faser meines Herzens? Ich halte

an etwas fest was einmal war, aber schon lange nicht mehr ist, warum????

Er selber will mich ja auch behalten, warum und wozu weiß nur er alleine,

aber vielleicht weiß er auch nicht warum und ich werde darauf auch nie eine

Antwort bekommen.....







Einsame Hoffnungslosigkeit, oder Willkommen am Eingang zur Hölle

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