Mittwoch, 17. Juli 2024

Der Perlweinkönig







Wer schwankt so spät durch Nacht und Wind

Es ist der betrunkene Vater mit seinem Kind;

Der Knabe hält ihn wohl am Arm,

Der Vater lallt und macht Alarm


Mein Sohn, was schaust du so ängstlich mit dem Gesicht?-

Siehst Vater, du den Perlweinkönig nicht?

Den Perlweinkönig, wo hast du den denn erspäht?

Mein Sohn, ich seh nur, daß sich alles um mich herum dreht;.


"Du braves Kind, komm mit zu mir!

Ein paar tolle Spiele spiel ich mit dir

Ich zeige dir die Welt,  bin immer nüchtern,

du kannst mir vertrauen, nun sei nicht so schüchtern.-


Mein Vater, mein Vater, und hörest du nicht,

wie der Perlweinkönig leise zu mir spricht?-

Bleib ruhig lallt der Vater leise zum Kind;

ein Sturm zieht auf, es säuselt nur der Wind.


Oh süßer Knabe, willst du mit mir gehn?

Du kannst meine Töchter in schönem Gewande sehn,

sie bilden einen Reigen um den heiligen Baum,

singen, tanzen und führen dich durch Zeit und Raum.-


Mein Vater, mein Vater und siehst du nicht dort

Perlweinkönigs Töchter am heiligen  Ort?-

Mein Sohn, mein Sohn, ich seh es nicht genau:

ich bin noch trunken, ich bin noch zu blau.-


Ich liebe dich, mich reizt deine schöne Kindesgestalt.

Und bist du nicht willig, so brauch`ich Gewalt.-

Mein Vater, mein Vater, er reicht mir seine Hand,

Perlweinkönig, zupft an meinem Gewand.


Dem Vater wird übel, er torkelt geschwind,

er hält an seinem Arm das unschuldige Kind,

sie fallen unversehrt  in ihre Wohnung hinein;

Der Vater verspricht dem Sohn, ich trinke nie wieder Perlwein.

(Der Erlkönig - Johann Wolfgang von Goethe)

















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