Es gab mal Zeiten, vor vielen, vielen Jahren, als ich noch an das Gute geglaubt habe, aber ich
bin kein Hiob, der alles verloren hat und dennoch daran glaubte, daß Gott ihn liebt.
Ich war immer stark, habe immer meine Hoffnung gehabt, meinen Glauben und die kleinen
Freuden des Alltags, wie einkaufen gehen, shoppen, essen gehen, Kino, zu Robert nach
Hannover zu fahren etc. Dann wurde mir alles genommen, Stück für Stück. Zuerst wurde
mir Arena genommen, dann mein Vater, dann meine Mutter, davor aber schon mein toller
Arbeitsplatz wegen Sparmaßnahmen im öffentlichen Dienst, dann verlor ich meine
Wohnung und zog zu meiner Mutter, die zu dem Zeitpunkt noch lebte und es ihr ganz
gut ging, dnnn verlor ich mein Auto weil ich kein Geld mehr für die Versicherung usw hatte.
Dann verlor ich meine Gesundheit und hatte viele Krankheiten und ständige Schmerzen.
Zu allem Überfluß bekam ich Polyneuropathie, bekam taube Hände und Füsse und
wurde dann noch mit massiven Gleichgewichtsstörungen beglückt, die es mir unmöglich
machten nach draussen zu gehen, denn ich wohne im 4. Stock ohne Fahrstuhl. Dann verlor
ich durch eine Infektion 90% meines Geruchs- und Geschmacksinnes.und dann habe ich die
Einsicht und Hilfsbereitschaft meiner Kinder und meiner Enkeltochter verloren.
Danny hat mit seinem Hund zu tun, Vanessa mit ihrem Freund und Lea
ist die einzige die mir mal hilft, aber die ist noch so jung und hat andere Interessen, als
ihre alte Oma zu pflegen. Fortan war und bin ich eine Gefangene in meiner eigenen Wohnung.
Da verlor ich auch meinen Humor und war nicht mehr in der Lage solche schönen und
teils humorvollen Gedichte und Geschichten zu schreiben, denn meine Gedanken und
Gefühle waren viel zu traurig und zu dunkel um Lustiges zu Papier zu bringen. Nun verlor
ich auch noch meine Ruhe und Geduld mit meiner Freundin, die so oft ungerecht zu mir
ist und mir immer vorschreiben will, daß nur sie die richtigen Entscheidungen trifft, aber
heute war sie mir eindeutig zu heftig und hat mich als Nervensäge hingestellt die für nichts
mehr nützlich ist, ich habe nichts dazu gesagt, aber ich werde meine Konsequenzen daraus
ziehen, dann lieber keine Freundin, als so eine Furie, die immer nur was zu sülzen hat.
Dann verlor ich das Vertrauen in die Menschen und so lange mir das noch irgendwie
möglich ist möchte ich keine fremden Leute, die mich pflegen, in meiner Wohnung,
in meinem Leben. Dann verlor ich die Freude an allem, dann den Glauben an Gott
und seine angeblich so große Liebe für uns, nun bekomme ich auch noch die Nachricht,
daß meine Freundin im Urlaub auf Kreta schwer krank geworden ist, ins Krankenhaus
in Heraklion gebracht wurde, auf der Intensivstation liegt und mit dem Tode ringt, leider
weiß bisher keiner was sie hat. Als letztes bekam ich den Todesstoß, der mir den Willen
zum weiterleben nahm, obwohl ich trotzdem weiterlebe, einfach mal so stirbt man ja
nicht, aber nur noch eine leere Hülle die funktionieren muß. Robert hat mir alle
Privilegien nach und nach genommen die ich mal als seine Freundin hatte. Ich kann
mit vielem leben, ich kann vieles ertragen, aber die Liebe des Mannes immer mehr
zu verlieren, das hat mich endgültig gebrochen und mich in den Abgrund gestürzt.
Seit fast 19 Jahren ist er die Liebe meines Lebens, nun habe ich nichts mehr was sich
zu leben lohnt. Ich habe meine Würde, meinen Stolz und mein Selbstbußtsein verloren
mir ist nichts geblieben ausser meine Feigheit, sonst hätte ich längst mein Leben beendet.
Nun sitze ich alleine hier in meiner Wohnung, in meinem Zimmer, am Eingang zur Hölle
und warte auf den Tod, aber selbst der will mich noch nicht haben......

