Mittwoch, 21. Dezember 2022

wenn der Schneemann langsam schmilzt...oder das kurze Leben eines kalten Gesellen



























es war einmal an einem verschneiten wintertag im pulverschnee,

da fassten zwei kinder den plan einen schneemann zu bauen am see.

sie hatten alles dabei, kleine kohlestücke, eine karotte für die nase, 

einen schal,

ein hut der noch vom fasching übrig, nur das suchen nach ästen war 

eine qual,

denn der schnee war so hoch, dass die kinder lange suchen mussten

bis sie etwas passendes fanden

sie fingen an mit einer kleinen schneekugel die immer grösser wurde,

bald waren drei kugeln vorhanden.

daraus wurde ein schneemann geformt und die mitgebrachten dinge

wurden alle richtig angebracht,

die kinder betrachteten den schneeman ganz genau, ob er stabil genug

war und nicht gleich zusammenkracht

und der schneemann stand ganz stolz da mit dem schal um den hals

und auf dem kopf der melonenhut

er hatte sogar arme und hände, augen und eine nase und die schwarzen

kohlestücke waren aus heisser glut.

die kohlestücke waren erkaltet, aus ihnen wurden augen und knöpfe.

die kinder waren zufrieden mit ihrem werk und schüttelten die köpfe,

um ihrer freude ausdruck zu verleihen, dann wurde es dunkel und sie 

mussten nach hause gehen.

zurück blieb der schneemann und da er nah am see stand, konnte er 

sein spiegelbild darin sehen.

eine kleine elfe erweckte diesen besonderen schneemann zum leben,

und schenkte ihm ein gehör,

er konnte zwar nicht von der stelle ohne beine, aber er konnte denken,

sehen, fühlen und mehr.

er erfreute sich an seinem leben, über die tiere auf dem see, vorallem 

am mond der war in dieser nacht blutrot.

ihm war nicht bewusst, dass sein leben nur von kurzer dauer sein würde,

denn wärme wäre  über kurz, oder lang sein tod.

er hatte ein paar schöne tage, die kinder bestaunten ihn und brachten ihm

essen mit,

des nachts durfte er wieder lebendig werden, hören, sehen und reden,

mit all den tieren die sich um ihn scharten,

er wurde um rat gefragt und war glücklich über sein dasein, die tiere

erzählten ihm von einem blumengarten,

da wurde er traurig, denn die tiere erzählten ihm nun auch, dass er nur

in der kälte existieren kann

und die blumen wachsen nur bei wärme und regen und er müsse sterben,

wenn die schmelze fängt an.

die zeit verlief wie im fluge, und es wurden dann noch drei wochen, oder 

auch 21 tage, oder auch 504 stunden,

dann war die schöne zeit vorbei, das wetter wurde immer wärmer nur die

hunde drehten noch im matsch ihre runden.

am ersten tag schmolz sein bauch zusammen, am zweiten tag dann die

kugel mit den kohlestücken,

noch war sein kopf vorhanden und so konnte er noch sehen, hören und

denken mit gedächtnislücken,

denn der kopf fing langsam an sich aufzulösen, es fing an zu jucken, aber

er hatte keine arme mehr zum kratzen,

dicke tautropfen rannen dem schneemann über sein gesicht, denn nur noch

der kopf war vorhanden,

alles andere war schon als wasser in den boden geflossen, sein letzter wunsch,

bevor er kam abhanden,

war ein name, er hätte doch so gerne noch einen namen bekommen, damit etwas

von ihm bleibt, etwas überlebt.

unser schneemann hatte glück, bevor der rest von ihm in den boden sickerte und

die wurzeln der pflanzen belebt,

riefen einige kinder ganz traurig in die stille hinein:"ach lieber toni schneemann,

lass uns nicht im stich,"

"wir versprechen dir hoch und heilig, dass wir dich im nächsten jahr neu erschaffen,

und auch eine frau für dich."

mit dem wissen, dass er toni heisst und nicht vergessen wird, liess er den letzten

tropfen von der sonne aufsaugen

dann war nichts mehr übrig von toni schneemann, ausser die karotte, der hut und

die kohlestücken von seinen augen.

und wenn im nächsten jahr genug schnee vom himmel fällt und auch liegenbleibt

bei ausreichender kälte und man muss bibbern,

dann bauen die kinder einen neuen toni und auch eine frau für ihn, dann muss er

bei wärme nicht mehr alleine im boden versickern.




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