Donnerstag, 20. Oktober 2022

der Geier Vulturis und die Gans Luise





 auf einem bauernhof am rande eines dorfes und eines weiher,

lebten viele gänse und auch ein einsamer geier.

dieser alleinstehende herr war nicht mehr ganz jung, aber ein lieber

 und stattlicher geselle,

er hiess vulturis* und war deshalb alleine, weil es keine geierdame gab

die ihm gefiel auf der stelle,

 denn er liebte  heimlich und mit ganzem herzen, die süsse gans luise,

doch sie war seit langem versprochen dem sohn des herren der wiese,

der herr war der mächtige ganter theodor, sein sohn der weiberheld bo,

die mutter war die etwas dumme schnattergans theodora und sie war so froh,

dass ihr sohn endlich unter die haube kommen würde,

bo hatte genug gänse begattet, die eltern trugen eine schwere bürde,

 ständig mussten sie den sohn verteidigen, bei seinen vielen eskapaden,

sie freuten sich auf die hochzeit und theodora ging jetzt erstmal im weiher baden.

 luise aber war ganz traurig und schwer war ihr herz,

denn sie liebte den einsamen geier so sehr seit dem märz.

doch sie gehörten verschiedenen gattungen an, das durfte nicht sein,

dass sich die arten vermischen, war verboten bei gross und bei klein.

der tag der hochzeit war gekommen und fast alle freuten sich,

der geier und die gänsebraut gestanden sich ihre liebe, weinten fürchterlich,

 luise und vulturis waren verzweifelt, doch dann sahen sie ein licht in der ferne,

das kam vom leuchtturm am meer, in ihren augen leuchteten sterne,

denn dort war es ruhig, wettergeschützt und reich an fisch und saftigen wiesen,

vulturis kannte dieses fleckchen erde und niemand könnte es ihnen vermiesen,

diese stelle war genau das richtige für geier und gans, sie hatten sich für die 

 liebe entschieden und vergassen ihren kummer.

sie flogen los ohne zurückzublicken, als sie endlich am leuchtturm waren fielen

sie in einen tiefen schlummer.

sie wurden geweckt vom leuchtturmwärter, der war sehr nett und freute sich sehr,

dass er nun eine aufgabe hatte, er hoffte auf viel nachwuchs hier am blauen meer.

es dauerte nicht lange, da passierte was nicht sollte sein,

luise baute ein nest und hatte fünf eier, die brütete sie aus allein,

denn fürs essen war vulturis zuständig, dabei half auch der leuchturmwärter,

der geier war ganz aufgeregt, es wurde für ihn von tag zu tag härter

darauf zu warten, dass die küken kamen, er war dann beim schlupf dabei,

der mann vom leuchtturm half mit lieben worten, da platzte das erste ei,

nacheinander kamen fünf entzückende küken aus den eiern hervor,

ein baby süsser als das andere, der geier war so stolz und reckte den hals empor.

sie alle hatten ein schönes, friedliches leben am leuchtturm am blauen meer,

auch wenn alle sagten, dass ihre liebe verboten sei, sie waren sich sicher, 

sogar so sehr,

dass sie das risiko eingingen, sich für die freiheit der liebe und der eigenen

 wahl des partners entschieden,

 weil ihnen das glück und die liebe wohlgesonnen waren, sind luise und vulturis 

ein leben lang zusammengeblieben.

sie waren die stammeltern von einer vielzahl gänsegeiern, die alle schönheiten waren,

 die glücklich schlüpfen und aufwachsen durften am leuchtturm in scharen.

luise und vulturis gibt es schon lange nicht mehr, aber manchmal in sternenklarer nacht,

wenn ihr in den himmel schaut, könnt ihr die beiden entdecken, wie? ihr lacht?

ich habe sie selbst gesehen in einer nacht voll leuchtender sterne, 

da flogen die beiden flügel an flügel oben am himmel in weiter ferne.

denkt ihr etwa ich lüge und sage euch die wahrheit nicht?

vielleicht binde ich euch auch einen bären auf, zuende ist nun das gedicht.


*vulturis ist das lateinische wort für geier






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