Samstag, 11. Februar 2023

Das Krankenhaus am Rande des Wahnsinns











Vor 3 wochen kam ich ins krankenhaus wegen eines schweren

arthroseschubs (dachte ich bis dahin). den männern vom krankentransport

gebührt meine ganze hochachtung, denn ich wiege nicht gerade so wenig

und wohne auch noch im 4. stock ohne fahrstuhl. meine krankenhaus-

tasche ist sowieso immer gepackt und solche kleinigkeiten wie das

ladekabel für das handy, papiere, geld, schminktasche und mein nasen-

spray für alle fälle packe ich erst dazu, wenn es soweit ist. 

tja, nun kam ich an in meinem schon so vertrautem

krankenhaus, namen will ich keinen nennen, ich will niemandem

schaden und auch niemanden denunzieren, nennen wir diese klinik

einfachheitshalber und zum besseren verständnis: "gateway to hell" (deutsche 

übersetzung: "tor zur hölle"), oder noch besser "nuthouse ( deutsche über-

setzung "irrenanstalt"), warum in englisch? klingt einfach 

spektakulärer.  nun gut, angekommen im "krankenhaus" muss man

jedem, der an einem rumfummelt, erstmal erklären warum man eigentlich

da ist und ich hätte so manches mal gesagt, weil es mein fetisch ist die

ganze nacht auf einer harten pritsche dahinzuvegetieren, aber natürlich

sagte ich das nicht. morgens um 5 uhr wurde ich dann in die kardiologie

verlegt und endlich legte man mich in ein vernünftiges bett, dachte ich, aber

meine füsse stiessen immer an das fussteil vom bett und ich konnte nicht

etwas höher rutschen weil mir jeder knochen weh tat. die ersten zwei tage

waren ganz okay, die physiotherapeutische krankengymnastin kannte keine gnade,

ich musste aus dem bett und sofort laufen, egal wie weh das grad tat. 

in meinem zimmer lagen zwei sehr nette, ältere frauen, doch leider nach

einem kurzen intermezzo verliessen sie uns , sie wurden ersetzt durch eine

leicht verwirrte ältere dame, ich hatte grade so langeweile, dass ich darüber

nachdachte, ob die alte dame bei ihrem krummen gang gleich vornüber fällt.

nachmittags am nächsten tag stiess eine 94jährige taube dame zu uns und

da fühlte ich mich dann wie eine marktschreierin, ich glaube,

mich hat das gesamte krankenhaus gehört, nur diese lady nicht. dann abends

kam ein ganz besonderer mensch zu uns, die frau war der erste menschliche

brüllaffe den ich je sah, sie schlief nie und redete ohne punkt und komma,

ihre ganze lebensgeschichte faselte sie verwirrt vor sich hin und des nachts

fing sie an um hilfe zu schreien, streckte die arme nach oben und fragte,

ob das taxi sie mitnehmen könnte. währenddessen rannten die kranken-

schwestern hin und her um die pflegefälle zu waschen. dann kam visite und der 

oberarzt teilte mir die ergebnisse der untersuchungen mit, mein stent musste

entfernt werden, gesagt, getan, immerhin wachte ich wenigstens tatsächlich

auch gesund und munter im aufwachraum auf, ich liebe narkosen.

ständig waren auch die geräte kaputt, ob fieberthermometer, oder blutdruck-

messgerät. an einem bett fehlte sogar die fernbedienung für den notknopf und

das licht. ach, das essen habe ich ganz vergessen zu erwähnen, ich würde sagen

von 1-6, wobei 1 sehr gut ist, verdient das essen nur eine 5.

dann kam eine neue dame ins zimmer, sie war 74 jahre alt und erzählte mir was

ihr passiert ist, beim überprüfen des stents, und elektroschock damit das

herz wieder im rhythmus schlägt, bekam sie einen herzstillstand,

alle versuchten zu helfen, die ausgebildeten ärzte fingen mit wiederbelebungs-

versuchen an, es klappte und sie musste einen tag auf der intensivstation

unter beobachtung bleiben.

irgendwie lief jeden tag das gleiche ab, die schwestern vergassen ständig

worum wir sie baten, der putzmann, der wie eine lahme schnecke sauber

machte.

schlafen konnte man auch nicht, weil man in diesen betten ständig nach

unten rutschte. auch bei den untersuchungen kam es öffter vor, dass man

für eine  kontrolle doppelt hinbestellt wurde zur zuständigen praxis, die 

ansässig im "gateway to hell" ist. die physiotherapeutin versuchte jeden tag die

letzte kraft bei mir hervorzuholen.

aber diese nacht wollte ich endlich mal schlafen, denn der oberarzt

sagte mir, dass ich am nächsten tag entlassen werden würde, ich bekam

für zwei tage medikamente mit.

wer gerne mal den arzt, oder die ärztin sprechen wollte, der hatte meistens

pech, denn es war kein arzt weit und breit in sicht.

endlich war er da, der tag der entlassung, leider konnte ich mich immer noch 

nicht schmerzfrei bewegen, sagte den jungs aber, dass ich alleine nach oben

käme und sie mich nicht nach oben bringen müssten, sondern nur an der haustür

absetzen sollen, denn danny hatte meinen schlüssel und der kam grad an.

die treppen waren natürlich kaum zu schaffen, als ich diese hürde

gepackt hatte, döste ich ein wenig auf der couch ein. abends dann

war ich so glücklich über mein bett, ich schlief ein und wachte bis 

zum nächsten morgen nicht auf, nichts geht halt über das eigene

bett und die eigene wohnung, aber ich werde beim nächsten mal

wieder, im krankenhaus am rande des wahnsinns, eingeliefert werden,

dem "tor zur hölle".....




                                 

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