Mittwoch, 23. November 2022

unser Urlaub in Rönnelmoor und die Geschichte vom Erhängten in der Scheune






dies ist eine geschichte aus meiner kindheit die ich gehört habe und auch

selbst erlebt.

es war im sommer 1969, es waren ferien und meine eltern und ich wollten

zum ersten mal in urlaub fahren mit dem neuen auto, denn mein vater

hatte gerade seinen führerschein gemacht. unser plan war zu meiner tante

anni und meinem onkel gerhard zu fahren, tante anni war die schwester

von meinem papa und sie hatte zu dem zeitpunkt 5 kinder von ihrem mann

und sie wohnten in einem alten bauernhaus in rönnelmoor. zu damaliger zeit

gab es in dem ort nur 3 weiter von einander entfernte häuser. dieser ort lag

in der nähe von brake, an der nordsee, das war eine autofahrt von 6 stunden.

meine eltern hatten die angewohnheit sehr früh aufzustehen, wenn sie in

urlaub fuhren, damit sie nicht in den urlaubsverkehrsstau kommen. also

standen wir morgens um 3 uhr auf, mutti machte den proviant fertig für 

unterwegs und um halb fünf ging es endlich los, wobei ich schon fast beim

losfahren hunger hatte und etwas von den lecker belegten broten ass und

papi trank erstmal kaffee. die fahrt war nicht allzu aufregend und für kinder

immer vieeeel zu lange. ich war damals 11 jahre alt und genauso ungeduldig

wie jedes andere kind auch. zur frühstückszeit kamen wir dann auch an und

es standen schon alle da und begrüssten uns, meine tante, mein onkel, meine

cousinen gudrun, karin und agnes, sowie meine cousins uwe und heinzi.

das haus war ein typisches altes reetdachhaus, vorne im haus war ein 

grosser stall, der noch eine grosse rolle spielt und wenn man da durchgelaufen

ist, dann kam die wohnung mit 3 zimmern und einer küche, das klo war draussen

in einem extra stall, ein richtiges plumpsklosett mit lauter spinnennestern an den

balken, ich habe mich so furchtbar geekelt, auch vor dem gestank, ich war ja

ein stadtkind und anderes gewohnt. hinter dem haus gab es einen grossen 

verwilderten garten mit vielen apfelbäumen und das spielen war dort wirklich

spannend und ein riesen spass. nachts schlief ich im bett mit meiner cousine

gudrun, die war nur einen monat älter als ich. selbst die matratzen waren für

mich gewöhnungsbedürftig, denn die waren mit heu gefüllt, was zu der zeit

wohl normal auf dem lande war. 

am nächsten tag wollte ich auf dem autorad schaukeln, der an einem strick

von der stalldecke hing und da erzählten mir meine cousinen und cousins,

dass sich der vorbesitzer dieses hauses an dem seil aufgehängt hätte und 

mir war dann nicht mehr nach schaukeln, sie erzählten dann weiter, dass

dieser mann ab und zu in nebligen nächten hier ums haus geistert, er hat einen

schwarzen anzug an und einen zylinder auf dem kopf. ich fand das sehr 

gruselig, aber es war ja nur eine geschichte. meine tante und mein onkel hatten

auch eine schäferhündin namens senta, die war superlieb, aber auch sehr 

wachsam. draussen vor dem haus lagen viele aufgestapelte bretter und darunter

hatte eine katze babys bekommen und die waren sooo niedlich und auch zahm,

ich konnte mit denen spielen und die knuddeln so viel ich wollte.

natürlich sind wir auch mal baden gefahren, ins ostseebad burhave und wir

hatten viel spass, wir haben auch das schwimmende moor besucht, da läuft

man wie auf wackligen planken, unter dem moos, auf dem man lief, war ganz

viel wasser und deshalb wackelte man dort hin und her, das war wirklich 

etwas besonderes, denn schon seit vielen jahren ist das schwimmende moor

nicht mehr für die öffentlichkeit zugänglich, es ist jetzt ein naturschutzgebiet.

wir machten spaziergänge auf dem deich und staunten über die ebbe und die

flut, zwischendrin sind wir essen gegangen und das war etwas ganz besonderes

für mich, denn ich bin nie mit meinen eltern essen gegangen, ausser mal eine

currywurst mit pommes an einem currywurststand. meine eltern teilten die 

kosten für den urlaub auf, meine mutter zahlte vom haushaltsgeld das essen

und mein vater bezahlte das benzin von seinem chausseegeld, so wurde das

trinkgeld genannt, das die kraftfahrer von den fleischereien bekam, die von

ihm und den kollegen belieert wurden. mein vater war auf dem fleischmarkt 

angestellt als kraftfahrer und fleischabträger und er belieferte die fleischereien.

er bekam, aber manchmal auch wurst, oder käse, oder andere lebensmittel,

was dem geldbeutel meiner eltern zugute kam, denn sie mussten kaum noch

wurst und fleisch kaufen. ich bekam damals immer von papis chaussegeld

 in der woche 5 mark taschengeld, damals war das viel geld,

davon sparte ich immer für weihnachten und geburtstage meiner eltern.

so, ich bin etwas abgeschweift, ich wollte ja weiter von rönnelmoor berichten.

eines abends, wir lagen schon im bett, da hörten wir den hund bellen und 

mir wurde mulmig zumute, denn die abende davor war senta immer ruhig,

am liebsten wäre ich zu meinen eltern gerannt, aber dafür hätte ich ein

stück vom stall überqueren müssen mit dem strick am balken und das war 

mir zu risikoreich, also harrte ich aus. draussen war es stockfinster, denn

laternen gab es nicht in diesem kleinen ort, aber den nebel sah man, der

über die wiesen waberte und dann passierte es, ich sah etwas am fenster

vorbeihuschen, wir schrien alle auf, aber es war nicht zu erkennen

was es war und nach etwas 5 minuten passierte es wieder, aber diesmal

hatten wir alle unsere augen an den fensterscheien und sahen mit eigenen

augen eine schwarze gestalt, im nebel am fenster, vorbeilaufen mit einem

zylinder auf dem kopf und wir sprangen alle auf, rannten durch den stall

zum schlafzimmer der eltern, wo auch meine eltern mit schliefen und 

erzählten ihnen die geschichte, aber sie glaubten an keinen spuk, sondern

eher an einen blöden streich und wir mussten wieder in unser zimmer 

zurück, irgendwann schliefen wir vor erschöpfung wieder ein. am nächsten

morgen dachte ich dann auch an einen streich und versuchte mich damit

zu beruhigen, bis plötzlich senta anfing zu knurren, sie knurrte einen alten

schaukelstuhl an, der im stall auf dem heuboden stand, sie liess sich nicht

beruhigen, sie rannte immer wieder zum schaukelstuhl hin und wieder weg

und knurrte und bellte, meinem onkel wurde das dann zuviel, er guckte nach,

sah aber nichts, also keine ratte, oder ähnliches was sie hätte anbellen

können, er nahm sie dann am halsband und beförderte den hund nach draussen.

dies war mein erlebnis an einem meiner schönsten urlaube als kind.

viele der protagonisten sind schon tot, mein onkel gerhard, meine tante anni,

die älteste tochter gudrun, die zweitälteste tochter karin, mein papi und meine

mutti. wir haben bei meinem onkel und meiner tante öfter urlaub gemacht,

aber nicht mehr in diesem bauernhaus, denn sie bauten sich ein haus in

oldenbrok/mittelort und da war mehr platz und anständige klos und bäder.

es sind unbezahlbare erinnerungen, die trage ich bis zum letzten atemzug 

in meinem herzen und meinen gedanken.









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