ein lemming sass am rand der klippe
und wünschte sich er hätt ne strippe,
so könnte er sich runterhangeln und müsste nicht springen,
er wollte doch leben und nicht mit den engelein singen.
doch weit und breit kein seil in sicht,
was sollte er tun, sein herz fast zerbricht.
alle freunde und anverwandte waren schon im kalten nass,
doch er wollt der tradition nicht folgen, was sollte denn das?!
hinter ihm kam schon die nächste gruppe zum springen bereit,
er hatte angst mitgezerrt zu werden, aus vollem halse er schreit.
keiner beachtete ihn, keiner nahm in wahr,
alle folgten ihrem trieb, alle waren im gehirn ganz starr.
einzig unser kleiner lemming dachte über die folgen nach,
er wollte doch noch eine familie gründen, nicht im wasser landen ganz brach.
da sah er neben sich diese süsse lemmingfrau,
auch sie wollte nicht springen, im magen war ihr ganz flau.
beide machten sich auf, hand in hand ein seil zu suchen,
um der tradition zu folgen, die klippe zwar zu verlassen, aber nicht zu sterben unter fluchen.
sie fanden ein seil, das ein bergsteiger verloren hatte,
so konnten sie beide die klippe hinabgleiten und landeten im nass wie eine wasserratte.
sie hatten ihr leben gerettet, die tradition fast beibehalten, oh welch eine wonne,
nun konnten sie eine familie gründen, für beide schien noch eine weile die sonne.
im nächsten jahr, wenn die kommende generation schon gross genug,
dann konnten sie ja springen, dann war ihr leben erfüllt, dann wollten sie folgen dem lemmingzug,
dann würden sie sich bei ihren pfötchen nehmen,
die tradition sollte ja richtig bewahrt werden, nur nicht gleich, sie hofften ihr könnt verstehen.
doch erstmal wollen wir beiden ihr glück noch gönnen, ihnen nicht misstrauen,
im nächsten jahr springen sie dann gemeinsam in den lemminghimmel, dem blauen.


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